JüNGERE PUBLIKATIONEN IN AUSWAHL



Bernhard von Breydenbach: Reise in das Heilige Land, in: Hartmut Kühne, Enno Bünz, Thomas T. Müller (Hgg.): Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation in Mitteldeutschland. Katalog zur Ausstellung: Umsonst ist der Tod! Alltag und Frömmigkeit am Vorabend der Reformation. Mühlhausen, Museum am Lindenbühl, 29.09.2013-13.04.2014. Petersberg (2013), S. 174-175


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Rom, Venedig und Frau Venus - Literarische Aspekte europäischer Identität im Mittelalter, in: Elmar Schafroth, Martina Nicklaus, Christine Schwarzer und Domenico Conte (Hgg.): Italien, Deutschland, Europa: Kulturelle Identitäten und Interdependenzen / Italia, Germania, Europa: fisionomie e interdipendenze, Oberhausen (2013), S. 207-229

    Europäisch ausgerichtet ist der Beitrag von Helmut Brall-Tuchel: Rom, Venedig und Frau Venus - literarische Aspekte europäischer Identität im Mittelalter, in dem einem Europa-Bild avant la lettre in mittelalterlichen Reisebeschreibungen nachgespürt wird. Die Darstellungen sind, wie sich zeigen lässt, vielseitig: So stehen z.B. neben dem Vorschlag eines Friauler Kanonikers für einen übernationalen, von gegenseitigem Respekt geprägten höfischen Verhaltenskodex (13. Jahrhundert) die düsteren Betrachtungen des gealterten Petrarca zum Niedergang Europas sowie die kritischen Rombetrachtungen eines rheinischen Adeligen im ausgehenden Mittelalter.
    Einleitung, S.10


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Nibelungen und kein Ende? Das Nibelungenlied, Hebbels Nibelungen und das Nibelungische, in: Programmheft zur Premiere von Friedrich Hebbels "Die Nibelungen" am 21.09.2013 im Rheinischen Landestheater Neuss (Spielzeit 2013/2014)

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Kurzbiographie: Stricker, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 25: Stadion-Tecklenborg, Berlin (2013), S. 549-550


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Unterwegs im Heiligen Land. Rheinische Pilgerberichte des 14. Jahrhunderts zwischen Tradition und Augenschein, in: Helmut Brall-Tuchel (Hg.): Wallfahrt und Kulturbegegnung. Das Rheinland als Ausgangspunkt und Ziel spätmittelalterlicher Pilgerreisen, Schriften des Heimatsvereins der Erkelenzer Lande e.V., Band 26 (2012), S. 143-187

    Der Beitrag von Helmut Brall-Tuchel geht von der Frage nach dem Heilswert der Heiliglandfahrt und der Diskussion über das Für und Wider der peregrinatio aus. Diesem Problem hatten auch die Pilgerberichte des Spätmittelalters Rechnung zu tragen. An den Zeugnissen von Pilgern mit rheinischem Hintergrund wie Wilhelm von Boldensele, Ludolf von Sudheim, dem Niederrheinischen Anonymus sowie der Dreikönigslegende des Johannes von Hildesheim lässt sich ein regionales Orientinteresse mit den Zentren Köln und Aachen ausmachen. Diese Texte aus der Mitte des 14. Jahrhunderts bilden das Fundament, auf dem noch die Orientbeschreibung im Reisebuch Arnolds von Harff Ende des 15. Jahrhunderts aufruht, auch wenn es bei ihm zu einer dichteren Vernetzung von religiös geformter Innen- und sinnlich wahrgenommener Außenwelt kommt.
    Einleitung, S.12


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Ulenspiegel zwischen Narrheit und Widerstand, in: Eulenspiegel-Jahrbuch, Band 50/51 (2010/2011), S. 129-149

    Im Aufsatz stellt er ein Interpretationsdreieck zur Verfügung, mit dem man jede einzelne Historie jeder einzelnen Version des Eulenspiegelbuches, aber auch jeden Eulenspiegel in der Kunst oder als Denkmal präzise beschreiben könne. Die Dreieckpunkte bilden die je für sich auch schon komplexen Konzepte des Dämons, des Narren und des Tricksters. [...] Brall-Tuchel legt freilich Wert darauf, dass die Sache, für die der Eulenspiegel der Straßurger Drucke sich einsetzt, bei diesem Menschenfeind ausnahmslos seine eigene ist.
    Alxander Schwarz, Eulenspiegel mit neuen Augen, ebd., S.157f.


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Der Reisende als Integrationsfigur? Arnold von Harff: Ein Pilger zwischen Regionalität und Expansion, in: Ina Karg (Hg.): Europäisches Erbe des Mittelalters. Kulturelle Integration und Sinnvermittlung einst und jetzt. Göttingen 2011, S. 67-94

    Helmut Brall-Tuchel nimmt für den Gegenstand seines Beitrags das "Unterwegssein nach Europa" wörtlich und verfolgt am Beispiel des spätmittelalterlichen Ritters Arnold von Harff (1471-1505) einen mittelalterlichen Reiseweg, d.h. befasst sich mit dessen Pilgerfahrt und dessen Reisebericht darüber. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die 'peregrinatio' als Lebensform und die 'Figur' des Pilgers als Integrationsfigur gesehen und für ein europäisches Selbstverständnis nicht nur in realgeographischer Hinsicht bedeutsam gemacht werden kann. Gezeigt wird, wie Arnolds Bericht Zeugnis von einem komplexen Miteinander von disparaten Elementen gibt: Der Pilger fühlt sich seiner Familie und seiner Herkunftsregion verbunden und hat sich dennoch den Herausforderung der 'Welt' zu stellen; eine Auseinandersetzung mit dem Judentum und dem Orient ist zu führen - und so wird das geographische Mitteleuropa zum bedeutungsverhandelnden Austragungsort von 'Weltoffenheit' und 'Abgrenzung'. Der Beitrag wird durch einige Bilder ergänzt, die diese über die Realgeographie hinausgehende Bedeutungszumessung illustrieren.
    Ina Karg, ebd., S. 9

     


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Zwischen Euphorie und Depression. Emotionen im Ersten Philippston Walthers von der Vogelweide, in: Germanistische Studien 10 (Jubiläumsausgabe), herausgegeben von Lali Kezba-Chundadse und Friederike Schmöe, Tblissi/Dortmund 2011, S. 182-192


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Frömmigkeit und Herrschaft, Wonne und Weg - Landschaften in der Literatur des Mittelalters, in: Das Mittelalter 16, 2011, S. 104-130

    This contribution examines the relationship between human beings and landscape in selected medieval texts. Literary concepts of landscape appear innately bound up with human experiences that lend expression to religious, political and aesthetic convictions. The religious appropriations of landscape revolve around cosmological ideas for or against life in this world in political contexts, landscape functions as a medium of power for the legitimisation of rule, or as an apocalyptic backdrop. Courtly poetry exploits certain details of landscape to symbolise the status of individuals in society or the condition of society itself. In accounts of pilgrimage, the sense of landscape is reduced to a consideration of the accessibility of holy sites and the measurable distance of the journey.

     


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Emotion und Wahrnehmung. Beobachtungen zur Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide, in: Thomas Bein (Hg.): Walther-Studien Bd. 7. Walther von der Vogelweide - Überlieferung, Deutung, Forschungsgeschichte. Frankfurt am Main 2010, S. 103-122

    Der Beitrag analysiert das ‚repräsentative Ich' der Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide in seinen politischen, moralisch-zeitkritischen und biographischen Facetten. Es wird gezeigt, dass der Autor sich als Wortführer versteht, der im Mittelpunkt von gesellschaftlichen Kontroversen über Politik, Kultur und Rangordnung steht. Dichterische Freiheit hingegen erwächst dem Ich aus dem Bewusstsein einer überragenden künstlerischen Statur.

     


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Krisen und Auswege im Volksbuch "Fortunatus", in: Elmar Schafroth u. a. (Hgg.), Krise als Chance aus historischer und aktueller Perspektive. Oberhausen 2010, S. 46-63

    "Helmut Brall-Tuchel untersucht anhand des 1509 anonym in Augsburg erschienenen Volksbuchs Fortunatus das Zusammenspiel der beiden dominierenden Motivkomplexe dieses Prosaromans, der Reise und der familiären Bindungen, und zeigt auf, wie vermeintliche Auswege aus persönlichen Lebenskrisen sich letztlich als Trugbilder erweisen."
    Schafroth/Schwarzer

     


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Rezension Korvin Knop: Die Pilgerfahrt des Ritters Arnold von Harff 1496-1499. Im Kontext spätmittelalterlicher deutscher Reiseberichte - Pilgern, wandeln und entdecken, Saarbrücken 2007, in: Rheinisch-westfälische Zeitschrift für Volkskunde 55 (2010) S. 192f.

 


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Das Motiv des gegessenen Herzens in der mittelalterlichen Novellistik, in: Michael Dallapiazza, Giovanni Darconza (Hgg.), La novella europea. Origine, sviluppo, teoria. Rom 2009, S. 71-89

    Das Motiv des gegessenen Herzens hat seinen Nährboden im tabubesetzten Geflecht von Familiarität und Sexualität. Sein Sinnspektrum entfaltet sich in der mittelalterlichen Dichtung über weite Strecke auf der Ebene übersteigerter, normsprengender Nähebeziehungen, bei denen die Energien des Nährens mit denen des Sexus fusionieren. Der Beitrag untersucht das Motiv in Gottfrieds von Straßburg "Tristan", in Konrads von Würzburg "Herzmäere" und in der italienischen Novellistik.

     


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Kriegerisches Heldentum und Brudermord, in: Michael Dallapiazza, Frederica Anichini und Francesca Bravi (Hgg.), Krieg, Helden und Antihelden in der Literatur des Mittelalters. Beiträge der II. Internationalen Giornata di Studio sul Medioevo in Urbino, Göppingen 2007, S. 46-61

Die biblische Kain-Abel-Mythe diente den volkssprachlichen Dichtern als Modell, das eine grundsätzliche Reflexion über Ursprünge und mögliche Rechtfertigungen des Tötens (homicidium) erlaubte. Am Beispiel des Heliand, der Wiener Genesis und der Weltchronik des Jans Enikel wird die literarische Deutungsarbeit am Problem des Tötens nachgezeichnet. In den jeweiligen Motivierungen und Darstellungen der Gewalttat spiegeln sich die wandelnden Einstellungen und Rechtfertigungen des Tötens auch im Krieg. Ein Blick auf den Willehalm Wolframs von Eschenbach zeigt jedoch ein waches Bewußtsein dafür, daß die Rechtfertigungen des Tötens den Makel der Kainstat nur übertünchen, aber nicht beseitigen.

 


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Drachen und Drachenkämpfe in Geschichtsschreibung, Legende und Roman des Mittelalters, in: SAECULUM, Band 57, 2. Halbband, Jahrgang 2006, S. 213-230

    Wie haben mittelalterliche Autoren die überlieferten Bilder vom Drachen aufgenommen und in ihre jeweilige Sicht der Welt eingepasst? Wozu diente das Motiv vom Kampf mit dem Drachen in den erzählenden Texten des Hochmittelalters? Unter diesen leitenden Fragen wird den Spuren nachgegangen, die das Drachenunwesen in Geschichtsschreibung, Legenden und Romanen des Mittelalters hinterlassen hat.

     


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Sît Abel starp durh bruoders nît (Wh. 51,30). Bewertungen des Krieges in volkssprachlichen Dichtungen des Mittelalters, in: Hans Hecker (Hg.), Der Krieg in Mittelalter und Renaissance, Düsseldorf 2005, S. 125-156

    "Der Krieg gibt offensichtlich auch für die mittelalterliche Dichtung als Stoff mehr her als der Frieden. Wie Helmut Brall für die volkstümliche Dichtung des deutschen Mittelalters und Peter Wunderli für die altfranzösischen Chansons de geste zeigen, erwecken diese Epen den Eindruck, als habe permanent Kriegs- oder einen kriegsähnlicher Zustand geherrscht. [...] Der Frieden dient nur als "eine Art Plattform, eine 'Startrampe' für den Unfrieden, der als Normalzustand gelten kann". Warum diese Betonung und - oft mit eindringlichen Schilderungen der schlimmsten Schrecknisse versehene - Ausmalung des Krieges, die den nachweisbaren, durch die Forschung erhärteten historischen Erkenntnisssen gar nicht entspricht? Viele Gründe lassen sich anführen, sie reichen von dem Interesse des Publikums, eines ritterlichen Adels, der sich mit Erzählungen von den Heldentaten adeliger Ritter unterhalten lässt, daher auch sein Sebstverständnis maßgeblich speist, über die Legitimation von Machtverhältnissen, über Disziplinierungs- und Orientierungsstrategien bis zur rechtfertigenden Ideologisierung des Krieges in der Zeit der Kreuzzüge. Der Krieg hat mehr Farbe als der Frieden, auf jeden Fall das Blutrot der Gefallenen, der Verstümmelten - und der Wunden, die den Tapferen zum Helden machen."
    Hans Hecker ebd., S. 10.

     


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Wahrnehmung im Affekt. Zur Bildsprache des Schreckens in Wolframs Parzival, in: John Greenfield (Hg.), Wahrnehmung im Parzival Wolframs von Eschenbach. Actas do Colóquio Internacional 15 e 16 Novembro de 2002, Porto 2004, S. 67-104

    "[In dem Beitrag von] Helmut Brall-Tuchel geht es um die Prozesse der inneren und äußeren Wahrnehmung. Diese Analyse, die sich mit den Affekten befaßt (vor allem mit der Bildsprache des Schreckens im 'Parzival') und mit der Beziehung des Erzählers zu den Wahrnehmungen seiner Figuren, konzentriert sich auf einen kulturanthropologischen Gesichtspunkt." John Greenfield ebd., S. 9. Männliche und weibliche Wahrnehmung von Unheil, so wird gezeigt, werden von Wolfram von Eschenbach in Anlehnung an apokalyptische, mythographische und literarische Vorlagen und Bildauffassungen entwickelt.

     


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Das Herz des Königs. Karl der Große, Roland und die Schlacht von Roncesvalles in den Pyrenäen am 15. August 778, in: Gerd Krumeich, Susanne Brandt (Hgg.), Schlachtenmythen. Ereignis - Erzählung - Erinnerung, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 33 - 62

"Roncesvalles, 15. August 778, war die einzige Niederlage Karls des Großen - und so wurde aus dieser Episode - eigentlich eher ein kleiner Überfall von Basken auf die Nachhut des fränkischen Königs - nach mehr als 400 Jahren eine große Schlacht gemacht. Helmut Brall-Tuchel zeigt, wie die Schemenhaftigkeit des Feindes die Mythenbildung gemäß den vorwiegenden Sorgen und aktuellen Feindschaften begünstigte: Aus Basken wurden Sarazenen. Hinzu kam bald die nationale Ausdifferenzierung der Erzählung von Roncesvalles: insbesondere in der französischen Tradition des Rolandsliedes wurde der Ort des Überfalls zu einer Weihestätte, wo die Blüte Frankreichs ihr Leben für den König und das Reich gegeben hat. Nach eingehenden Unterbrechungen entdeckte auch hier die romantische Bewegung des 19. Jahrhunderts die Geschichte dieser Schlacht neu, insbesondere in Frankreich, wo das Rolandslied nach der ebenfalls als Überfall empfundenen Niederlage im deutsch-französischen Krieg von 1870 sogar zu einer Art Ilias der Geschichte Frankreichs stilisiert werden konnte."
Gerd Krumeich, ebd., S. 10.

 


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Erziehung und Selbstverwirklichung im höfischen Roman. Vom Nutzen und Nachteil der Abstammung, in: Der Deutschunterricht 55, Heft 1/2003, Erziehung und Bildung im Mittelalter, S. 18-29 (gemeinsam mit Alexandra Haußmann)

    Texte aus der Zeit vom 10.-14. Jahrhundert zeigen, daß die Erzieher in aller Regel Wertvorstellungen, Wissensbestände und Lebensformen der jeweiligen Gemeinschaften mit ihren Zöglingen einübten. Der "Parzival" Wolframs von Eschenbach erzählt von den harmonischen Seiten einer Erziehung am Hof, während der gute Sünder Gregorius im Legendenroman Hartmanns von Aue die Risiken höfisch-ritterlicher Selbstverwirklichung erfährt. Aufgrund ihrer Alterität und Theatralik leisten die mittelalterlichen Texte einen wesentlichen Beitrag zu Themen wie "Erziehung", "Selbstfindung" etc. im Deutschunterricht und bei fächerübergreifenden Projekten.

     


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Apokalypse und Endzeit: Anmerkungen zur mediävistischen Forschung, in: Jahrbuch der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft, Bd. 13, 2001/2002, hg. von Sieglinde Hartmann und Ulrich Müller, Frankfurt a. M. 2002, S. 61-76

    Der Beitrag widmet sich grundlegenden und spezielleren mediävistischen Forschungen zu den Traditionen der Apokalypse und der Endzeiterwartungen im Mittelalter und formuliert einige Thesen für künftige Forschungsprojekte.

     


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Die Heerscharen des Antichrist. Gog und Magog in der Literatur des Mittelalters, in: B. Haupt (Hg.), Endzeitvorstellungen (Studia humaniora), Düsseldorf 2000, S. 197-228

    "Besondere Faszination ging, wie Helmut Brall demonstriert, vom Mythos über die Einsperrung, besser: Aussperrung der fürchterlichen Völker Gog und Magog aus. Dieser Mythos aus orientalischer Tradition fand vor allem in die Alexanderüberlieferung Eingang: Alexander der Große soll, als er in Asien auf die menschenfressenden Völker Gog und Magog stieß, diese hinter einer Mauer zwischen zwei eng beieinander liegenden Bergen, der Kaspischen Pforte, eingeschlossen und damit die Gefahr für die zivilisierte Welt gebannt haben. Dieser ganz säkulare Aspekt ist in der mittelalterlichen Überlieferung der Mythe von Gog und Magog dominant. [...] Die theologische Tradition verhielt sich gegenüber der Deutung von Gog und Magog eher zurückhaltend [...]. Augustinus hatte die apokalyptischen Völker an die Macht des Satans angebunden und den Ort von Gog und Magog ganz klar dem großen Endzeitgeschehen zugewiesen, nicht ohne davor zu warnen, diese Völker mit irgendwelchen konkret gefaßten barbarischen Völkern dieser Erde zu identifizieren."
    B. Haupt, ebd., S. 15.

     


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"Wahrlich, die Pfaffen sind schlimmer als der Teufel!" Zur Entstehung der deutschen Schwankdichtung im 13. Jahrhundert, in: Euphorion 94 (2000) S. 319-334

    Der Aufsatz erörtert, unter welchen literatursoziologischen und gattungsgeschichtlichen Bedingungen das Böse und das Komische in der deutschen Schwankdichtung eine Synthese eingegangen sind. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen lateinische und deutsche Exempel, Mären des Stricker und der Pfaffe Âmis.

     


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Drache, Teufel, Antichrist. Literarische Sinnbilder und Gestalten des Bösen im Mittelalter, in: Studi Tergestini sul Medioevo, Nuova serie, vol. 7, Trieste 2000, S. 7-23

    Drache, Teufel und Antichrist sind Figuren biblischer Herkunft. In der Vorstellungswelt der mittelalterlichen Kultur waren sie jedermann gegenwärtig, denn sie standen im Zentrum eines vielschichtigen Diskurses über das Böse in der Welt. Anhand ausgewählter Beispiele wird auf einige Funktionen des Drachenbildes, auf die Faszination der Teufelsgestalt und auf die dem Antichrist zugeschriebenen Rollen eingegangen.

     


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Homosexualität als Thema mittelalterlicher Dichtung und Chronistik, in: ZfdPh 118 (1999) S. 354-371

    Der Beitrag untersucht Beweggründe und Bedeutungen der Abwehr und Verurteilung gleichgeschlechtlicher Sexualität bei Cäsarius von Heisterbach, in der höfischen Dichtung und in der spätmittelalterlichen Chronistik. Dabei werden die Wandlungen des literarischen Diskurses unter milieuspezifischen Normen beleuchtet. Kirchliche Keuschheitsforderungen, höfische Ehe- und Minnevorstellungen und kommunale Rechtsordnungen verfolgen dabei jeweils eigene Werte und Ziele.

     


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Die Macht der Magie. Zauberer in der hochmittelalterlichen Epik, in: Ursula Schäfer (Hg.), ‚Artes' im Mittelalter: Wissenschaft, Kunst und Kommunikation, Vorträge des 7. Symposiums des Mediävistenverbandes, Sigmaringen 1999, S. 215-229

    Der Beitrag geht auf die Frage ein, wie man im Rahmen der höfisch-laikalen Literatur des hohen Mittelalters die Macht der Magie eingeschätzt hat. Das Interesse an Zauberei und an magischen Requisiten war einerseits sehr lebhaft, andererseits stießen bestimmte Formen des volkstümlichen Aberglaubens explizit auf Ablehnung und Mißbilligung der gelehrten volkssprachlichen Autoren. Machtausübung unter Zuhilfenahme übernatürlicher Kräfte wird in der Regel als Machtmißbrauch und feindseliger Übergriff verstanden. Das literarische Bild des Zauberers ist daher weitgehend von der zerstörerischen Macht des Bösen geprägt.

     


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Vom Reiz der Ferne. Wandlungen eines Vorstellungsschemas in Geschichtsschreibung und Dichtung des Mittelalters, in: Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung, Bd. 3 (1998), S. 45-61

    Der Artikel untersucht an Fallbeispielen (Jenseitsvisionen, Ezzolied, Brendanlegenden, Adam von Bremen, Herzog Ernst B), auf welche Weise sich die Vorstellungen von Ferne vom frühen zum hohen Mittelalter veränderten. Ferne gewann erst allmählich seine horizontale Dimension. Damit aber wurde der Raum einer "abenteuerlichen" Ferne entdeckt, die von Wundervölkern und Monstern bevölkert gedacht wurde. Neben vereinzelter Kritik am Reisen und seinem Sinn bestimmte von nun an die Faszination des Wunderbaren und der Transzendenzbezug noch lange die Wahrnehmung der Ferne. Erst Händler und Missionare lösten sich aus dem mentalen Raum, in dem sich Heilige, Mönche, Pilger und heimatvertriebene Helden lange bewegt hatten.

     


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Reflections of Homosexuality in Medieval Poetry and Chronicles, in: Christoph Lorey and John Plews (Hgg.), Queering the Canon: Defying Sights in German Literatures and Culture, Columbia 1998, S. 89-105

    This article argues, that in the vernacular poetry of the Middle Ages, homosexuality was not made taboo, but was perceived from decidly gender specific dispositions. In important primary texts, homosexuality is presented either from a female or from a male point of view.